Good Practice August 2017

Sichtbar dank selbst gestalteten Leuchtwesten

Im Herbst 2015 äusserten die Mütter und Väter der Elternmitwirkung von Jonschwil-Schwarzenbach ihre Sorge, dass die Kinder in der Dämmerung oder bei Nebel im Verkehr schlecht erkennbar seien. Sie baten die Schule um die Finanzierung von Leuchtwesten zur Verteilung an alle Schüler/-innen. Der Schulrat stand der Finanzierung grundsätzlich positiv gegenüber. Die Lehrpersonen bezweifelten jedoch, ob die Westen dann auch wirklich getragen würden.

Wer kann dazu besser Auskunft geben als die Kinder selber? Deshalb lancierte die Schulleitung ein partizipatives Projekt und bezog die Ideenbüros* ein. Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Ideen und Probleme aller Art in der Schule, bei der grössere Kinder als Expert/-innen für Anliegen und Problem von Gleichalterigen oder Jüngeren aktiv sind. Die Ideenbüros der 5./6. Klasse bekamen den Auftrag, Ideen zu entwickeln, wie Schulkinder bei Dunkelheit oder Dämmerung für andere Verkehrsteilnehmer besser zu erkennen sind.

Die Kinder der Ideenbüros trafen sich für Sitzungen, fragten in den Klassen nach, präsentierten der Schulleitung ihre Ideen und setzten sich mit kritischen Fragen auseinander. Schlussendlich entschieden sie sich für Leuchtwesten. Damit diese auch getragen würden, müssten sie schon irgendwie speziell sein und eine Farbe haben, die dem persönlichen Geschmack entspricht. Es entstand die Idee, dass die Kinder die Leuchtwesten selber gestalten.

Es folgte eine Zeit, in der die Kids im Internet nach Anbietenden von Leuchtwesten suchten und Preise verglichen. Die Bestellung der Leuchtwesten hielt einige Herausforderungen bereit. So musste beispielsweise mit den Firmen verhandelt werden, dass diese trotz Mindestbestellmengen Muster in unterschiedlichen Farben lieferten. Oder das ganze Prozedere, das durch eine Bestellung im Ausland entsteht, musste geklärt und organisiert werden.

Dann stellten die Ideenbüros das Projekt allen Klassen vor und die Schüler/-innen konnten aus den Mustern ihre Lieblingsfarbe auswählen. Um die Leuchtwesten im Unterricht persönlich verzieren zu können, wurden die Handarbeitslehrerinnen von den Ideenbürokindern eingeladen, über die Idee informiert und für eine Zusammenarbeit angefragt. Diese waren gerne bereit, einige Lektionen für die Gestaltung der Westen zur Verfügung zu stellen.

Natürlich dauerte das ganze Projekt etwas länger als geplant. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Die Kinder sind von ihren selbstgestalteten Werken begeistert und fühlen sich darin wohl. Dank der transparenten Kommunikation der Schule trugen die Eltern das Projekt mit und reagierten verständnisvoll auf die Verspätung. Seit Herbst 2016 tragen die Kinder nun in der dunklen Jahreszeit voller Stolz und Plausch ihre Leuchtwesten «Marke Eigengestaltung» und sind durch deren Leuchtkraft besser geschützt auf ihrem Schulweg.

Der Schulleiter Ivo Kamm zieht folgendes Fazit: «Die Leuchtwesten sind ein gutes Beispiel dafür, wie Eltern zusammen mit der Schule und den Kindern etwas entwickeln und erfolgreich umsetzen können».

Kontaktperson: Ivo Kamm, Schulleiter Primar, ivo.kamm(at)schulen-js.ch, www.schulen-js.ch.

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